Portwein

Die Schöne und das Biest - Vintage Port Verkostung des Jahrgangs 1983

online seit 17.12.2014
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Vintage Port 1983Vintage Port 1983 || KLICK FÜR ORIGINALGRÖßE

Manchmal hat man zu Jahrgängen eine besondere Beziehung. Bei mir ist dies 1983, das Jahr in dem das Ereignis meiner Geburt zu verzeichnen war. Nicht ganz ungewöhnlich also, dass ich bereits häufig die Weine dieses Jahrgangs degustiert habe. Eine horizontale Probe verschiedener Hersteller ist jedoch selbst weltweit gesehen ein seltenes Ereignis. So bot es sich nahezu an im September 2013 am Douro im Weingut Quevedo zu Ehren des runden Geburtstages eine solche mit 15 Ports durchzuführen. Miteigentümer Oscar Quevedo ist ebenfalls Jahrgang 1983 und hat somit auch eine besondere Relation zu diesem Jahrgang:

Die Vintage Ports aus dem Jahrgang 1983 ...
OQ: sind großartig, einer der besten Jahrgänge überhaupt.
Besonders an den Weinen dieses Jahres ist …
OQ: ihre Eleganz und Langelbigkeit
Mein Lieblingswein aus 1983 ist …
OQ: Gould Campbell
Beim Weingut Quevedo war die Ernte 1983 ...
OQ: gut gelaufen. Mein Vater sagte mir, dass die Qualität der Ernte im Herbst noch schwer einzuschätzen war, aber nach ein paar Monaten im Fass, haben die Ports ihre wahre Qualität, eine unglaubliche Komplexität und Reichhaltigkeit gezeigt.
Ich habe meinen ersten 1983er getrunken …
OQ: wahrscheinlich in den 90er Jahren
Die perfekte Gelegenheit um einen 83er Vintage Port zu trinken …
OQ: ist jede Geburtstagsparty!

Wetter und allgemeine Infos:
1983 war ungewöhnliches, trockenes Jahr, mit einem sehr langem Winter und einem heißen Sommer und Herbst. Dies brachte teilweise extreme Weine hervor. Einige Hersteller hatten große Probleme mit diesem Jahrgang oder favorisierten 1982, wie Sandeman, Croft und Noval. Cockburn 83er ist ein bisschen wie „die Schöne und das Biest“ – leider weiß man erst nach Öffnen der Flasche, welche Variante man bekommen hat, dieser Produzent litt unter erheblicher „bottle variation“. Anfänglich müssen die 83er kompakt und hart gewesen sein, was sie im Vergleich zu den fruchtig und konzentrierten 85er eher unattraktiv wirken lies. Dadurch stand der Jahrgang immer im Schatten mit dem angenehmen Nebeneffekt für Konsumenten, dass die Preisentwicklung bis heute nur ganz sanft ansteigt. Nach knapp 30 Jahren Flaschenreife sind die Weine noch immer eher herb und viele Weine zeigen Noten von dunkler Schokolade und Kaffee. Sehr gut mit den Gegebenheiten des Jahrgangs kam die Symingtongruppe zurecht, alle von ihr erzeugten Weine sind empfehlenswert. Wirklich herausragende Ports wurden 1983 nicht produziert, aber eben eine gute Auswahl an sehr guten Ports, welche sich mittlerweile in einem sehr schönen Trinkreifestadium befinden und das zu einem sehr attraktiven Preis-Genuß-Verhältnis. Die besten Exemplare sollten sich über die nächsten zwei bis drei Dekaden noch positiv weiterentwickeln. Für Freunde der Statistik: Im Anschluss an die Probe durfte jeder Teilnehmer, zu denen mit Maria Maia und Jorge Pintao von Pocas, Claudia Quevedo sowie Carlos Raposo von Niepoort auch einige Winzer gehörten, jeweils drei, zwei und einen Punkt für die jeweiligen persönlichen Favoriten abgeben. „Wine of the night“ wurde Gould Campbell (22 Punkte) vor Niepoort (14 Punkte), Taylor (8 Punkte) sowie Quarles Harris und Graham (jeweils 7 Punkte). Das Tasting wurde semi-blind durchgeführt, meine Verkostungsnotizen habe ich nachfolgend in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Borges: Weit gereifte Farbe mit deutlichen Brauntönen. Am Gaumen elegant und weit entwickelt. Fehlerfrei und jetzt sehr schön zu trinken. 17

Churchill – Quinta Agua Alta: Der einzige Single-Quinta Port in der Probe und erst der zweite Vintage Port dieses Produzenten, nach 1982, überhaupt. In der Farbe zeigte sich ein gereiftes Ziegelrot, sehr zurückhaltende Nase. Im Mund eher leicht und elegant, gereifte Frucht bei schöner Säure und gut eingebunden Alkohol. Sollte jetzt getrunken werden, für einen SQVP sehr ordentlich. 17

Cockburn: Zeigte nicht sein wahres Potential, dass ich aber auch nur vom Hören-Sagen kenne, da bisher alle von mir geöffneten Flaschen (drei) nicht optimal waren. 16

Dow: Nur leicht gealtertes Rubinrot. Schöne Struktur, komplex und harmonisch. Recht viele Schokoladentöne, und trockener als andere, Nuancen von Beerenfrucht. Gute Säure Balance. Auch wenn Dow 80 besser ist, wird sich der 83er noch mindestens zwei Dekaden weiterentwickeln. 18

Fonseca: Schönes gereiftes Rubinrot, am Gaumen noch verschlossen, braucht Luft. Relativ viel Säure, ordentlich, eher etwas elegant, gute Mittelklasse. 17

Gould Campbell: Toller Port, noch immer dunkle Farbe mit vielen Rottönen. Sehr fruchtig, voller Körper. Fängt erst an zu reifen, hat auch eine schöne Säure und einen langen Abgang. Bei mir an diesem Abend nur knapp vom Graham geschlagen. 18+

Graham: Ebenfalls einer der dunkelsten Ports dieser Probe. Braucht viel Zeit und Luft. Sehr gut, körperreich, mittlere Süße, fleischig und fruchtig. Komplex mit Kräuter und Kaffeenoten. Für mich sicher einer der besten Graham´s der 70er und 80er Jahre. Wird sich noch weiter entwickeln, langer Abgang. 18+

Kopke: Fehlerhafte Flasche. Aus einer guten Flasche ist dies ein eleganter, eher weit gereifter Vintage, mit deutlicher Süße. NR

Messias: Für mich eine angenehme Überraschung, da ich ihn nicht so gut in Erinnerung hatte. Auch schon recht weite gealterte Farbe. Eleganter Gaumen mit schönen Kaffeenoten und leichten Röstaromen, jetzt in einem sehr schönen Stadium. 17

Niepoort: Schöne altersgemäße Farbe, etwas dunkler als Fonseca. Am Gaumen etwas süßer als andere, noch letzte Fruchtnoten und leichte Röstnoten. Schöne Struktur, mittellanger Abgang. 17 +

Quarles Harris: Schönes gereiftes Rubinrot, angenehmes Bouquet. Eher leichter Körper, gut entwickelter, tadelloser Port, dem allerdings das Besondere vermissen lässt. 17

Ramos Pinto: Sehr gute Farbe, einer der dunkelsten Ports der Probe. Bouquet noch verschlossen, braucht Luft. Am Gaumen voller Körper, fleischig, schöne Säure, kräftig, viele Fruchtnoten und mittellanger Abgang. Einer meiner persönlichen Favoriten dieses Jahrgangs. 18

Real Companhia Velha:Fehlerhaft. Nicht trinkbar. NR

Taylor: Schönes gereiftes Rubinrot. Gute Struktur, jetzt sehr schön zu trinken, harmonisch und gut balanciert. Gereifte Fruchtnoten, sehr schön gealtert. Ich denke er sollte innerhalb der nächsten Dekade getrunken werden. 18

Warre: Recht dunkel, aber auch mit leichten Brauntönen. Sehr verschlossenes Bouquet. Sehr guter Port, eher elegant und gut gereift, Süße ist erkennbar, dazu Kaffeenoten und dahinter dunkle Schokolade. Alkohol perfekt eingebunden. Mittellanger Abgang. 18+

Mein herzlicher Dank geht nochmal an Oscar und Claudia Quevedo für die Bereitstellung der großartigen Location und das tolle Barbecue!