Portwein

Silberhochzeit im Glas - Vintage Ports des Jahrgangs 1985

online seit 19.12.2012
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Vintage Port 1985Graham, Dow, Ferreira, Fonseca and Taylor 1985 || KLICK FÜR ORIGINALGRÖßEDie meisten Ehen sind nach 25 Jahren nur noch langweilig, beim Portwein f?ngt der Spa? zu diesem Zeitpunkt erst an. Ein guter Grund sich zur Hochzeit selber ein paar Kisten zu kaufen. Eingeladen zur Party der vor einem Vierteljahrhundert abgef?llten Ports, die wir ehrenhalber als Semi-Blindverkostung durchgef?hrt haben, waren diesmal nur f?nf Ports, diversen anderen potentiellen G?sten, war ich schon im Laufe der letzten Monate begegnet.

Wie war das Wetter damals?
Es herrschten klassische Bedingungen. Regenreicher Winter, warmer und trockener Sommer, dazu ein perfekter Semptember, der zun?chst eine kurze Regenperiode brachte und dann hei?es und konstant trockenes Erntewetter. Gute Quantit?t und Qualit?t. Portweine die in ihrer Jugend ?u?erst verf?hrerisch waren. Sowohl Presse als auch Handel nahmen den Jahrgang hervorragend auf, insbesondere nach den zun?chst weniger hoch eingestuften Jahren 1980, 1982 und 1983.
Nicht eingeladen zur Party waren leider, die ansonsten zuverl?ssigen Erzeuger Sandeman, Niepoort und Cockburn, deren Vintage Ports des Jahres 1985 unter enormen Flaschenvariationen leiden. Die betroffenen Flaschen zeigen eine deutliche chemische Fehlnote, die verschiedene Ursachen hat. Unangenehme ?berraschungen.
Aber die meisten Produzenten erzeugten sehr gute Vintage Ports und h?tten die G?steliste gerne erg?nzen d?rfen. Ramos Pinto, k?rzlich w?hrend einer umfangreichenVertikale verkostet, zeigte sich in sehr guter Verfassung. Auch Smith Woodhouse und Gould Campbell geh?ren zu den empfehlenswerten Ports.
In der Blindverkostung beeindruckten mich am meisten die Ports von Taylor und Fonseca. Hier die Verkostungsnotizen:

Dow: Jeder hat mal einen schlechten Tag, leider war es diesmal Herr und Frau Dow, deren Flasche einen Fehler in Form einer chemische Note hatte, die mit zunehmender Dekantierzeit zunahm. Am Gaumen zeigte sich noch unterschwellig die durchaus vorhandene Struktur und Qualit?t. Das war die erste mir bekannte Flasche des ansonsten sehr konstanten und zuverl?ssigen Erzeugers mit diesem Fehler. Eine Verkostungsnotiz aus dem Jahr 2009 best?tigt, dass dies im Normalfall ein ansprechender Port ist - daher diesmal keine Bewertung.

Ferreira: Fast ein Geheimtipp, der bisher unterbewertet war. Der Ferreira zeigt sich in gealtertem Kirschrot, am ?bergang zum Ziegelrot. Verf?hrerische Nase mit s??lichen Noten, die an Orangen und Kandis erinnern. Am Gaumen harmonisch, Alkohol sehr gut eingebunden deutliche S??e. Mittlerer K?rper, dazu sch?ne gereifte Fruchtnoten. Orangen und Rosinen. Der Abgang ist eher kurz. Jetzt und in der n?chsten Dekade sehr sch?n zu trinken. 18

Fonseca: In der Farbe und auch am Gaumen der am wenigsten entwickelte Port. Zeigt sich noch in fast jugendlichem Kirschrot mit violetten Reflexen. Noch immer verschlossen. Braucht viel Dekantierzeit. Am Gaumen enorme Fruchtkonzentration, Aromen von Brombeeren, Johannisbeeren. Dazu eine Schokoladen und Kaffeenote. K?rperreich und f?llig, mittlere S??e, von den Topports dieses Jahres mit der meisten wahrnehmbaren S?ure, die ein frisches Gef?hl im Mund erzeugt. Nicht ganz so komplex wie Taylor. 18,5

Graham?s: Kirschrot, leichte Alterungsspuren. Zur?ckhaltendes Bouquet, die anf?nglich vorhandene w?rzige Nase verflog mit zunehmender Dekantierzeit. Am Gaumen mittlerer K?rper, eine Struktur die von einer guten Portion nicht aufdringlicher S??e getragen wird. Noten von dunklen Waldbeeren, dazu erfrischende S?ure und Aromen von Tabak. Nicht so "fett" wie f?r Grahams angenommen. Mittellanger Abgang. Ein guter Graham, der nicht zu lange dekanitert werden sollte. 18,5

Taylor: Dies war eine perfekte Flasche. Sch?nes Kirschrot, etwas heller als Fonseca. Bereits in der Nase bet?rend, intensiv. Am Gaumen druckvoll. Ansprechend gealterte Brombeernoten, dazu eine w?rzige Komponente, schwarzer Pfeffer und mediterrane Kr?uternoten. K?rperreich, vielschichtig und spannend. Eine Spur weniger s?? als Graham und Fonseca. Langer Abgang. 19

Wer darf wieder kommen?
Kein Jahrgang in dem man die G?steliste quasi "blind" zusammenstellen kann, aber die besten Portweine aus 1985 sind klassische, intensive Vintage Ports, deren Trinkreife jetzt eingesetzt hat. In der Spitze war die Feier der 1985er meines Erachtens auch besser als in den beiden Vorg?ngerjahren 1980 und 1983. Die besten Weine besitzen alle Komponenten f?r eine positive Entwicklung und sollten uns auch noch zur goldenen Hochzeit viel Spa? bereiten. Ob diese Weine jedoch auch die ?berdurchschnittliche Langlebigkeit der gro?en Jahre 1955 oder 1970 haben, werden wir aber erst dann wissen, wenn wir vielleicht nicht mehr so tanzen k?nnen wie heute, aber hoffentlich noch Freude am Genu? haben.

Hier geht es zum Verkostungsbericht ?ber ein umfangreiches Tasting von Ports des Jahres: 1980