Portwein

Magische Colheitas - KOPKE Vertikale 1935 - 1995

online seit 25.04.2012
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Kopke VertikaleKopke Colheita Vertikale || KLICK FÜR ORIGINALGRÖßEEine traditionelle Dom?ne der urspr?nglich mitteleurop?isch - portugiesischen H?user in der Portweinbranche, sind im Fass gelagerte Ports. Sei es Andresen, Burmester, Krohn oder Niepoort, all ihre Tawnies und Colheitas genie?en einen guten bis ausgezeichneten Ruf. Auch Kopke, deren Firmenurspr?nge auf die Gr?ndung der deutschen Br?der Christiano und Nicolaus Kopke im Jahre 1638 zur?ckgehen, macht hier keine Ausnahme und wird bei allen Experten als eines der Toph?user f?r "wood ports" angesehen.
Was sind eigentlich Colheitas?
Wenn Vintage Ports die K?nige des Portwein sind, dann sind die alten Colheitas so etwas wie die Pr?sidenten. Sie haben vielleicht nicht ganz den majest?tischen Ruf und die Grazie ihrer Kollegen, stehen dennoch an der Spitze ihres Segmentes und sind in ihrer Produktion (Wahl) ungleich komplizierter. F?r einen guten Colheita, einen Port aus einem Jahrgang, der in 550L fassenden benutzten Holzf?ssern (so genannten Pipes) bis zur seiner Abf?llung reift, braucht es nicht nur ausgezeichnetes Traubenmaterial, guten Branntwein und hervorragende F?sser sondern neben einem ausreichenden Vorrat vor allem auch einen erfahrenen Weinmacher. Dieser muss Ruhe und Fingerspitzengef?hl gleicherma?en vereinbaren. Denn die Weine, die er f?r die teils jahrzehntelange Fasslagerung ausw?hlt, m?ssen zwangsl?ufig von sehr hoher Qualit?t sein. Durch diesen oxidativen Ausbau verlieren diese Ports pro Jahr knapp 2% an Fl?ssigkeit, was ungef?hr 10 Litern entspricht. Dieser Verlust wird in der Regel mit Weinen des selben Jahrgangs aus der Reserve aufgef?llt.

Kopkes Historie
Auch wenn die Besitzverh?ltnisse bei Kopke in den vergangenen 100 Jahren mehrfach wechselten, die drei wesentlichsten Konstanten blieben immer erhalten. 1. Die Quinta Sao Luiz, ein exzellentes Weingut im Cima Corgo der Klasse A welches die hervorragenden Trauben liefert. 2. Die so wichtigen ?ber Generationen weiterreifenden Vorr?te mit F?ssern, welche mit erstklassigen Ports gef?llt sind und 3. au?erordentliche ?nologen, die mit viel Fachverstand die Firmentradition weiterf?hren. Seit 2006 geh?rt Kopke zur Sogevinusgruppe, die damals die Barrosgruppe aufgekauft, zu der Kopke bereits seit 1953 geh?rte. Innerhalb von Sogevinus wird Wert daraufgelegt, einerseits die Eigenst?ndigkeit der verschiedenen Weinstile der Marken beizubehalten und andererseits eine recht klare Qualit?tshierarachie zu etablieren. In dieser Hierarchie gelten Burmester und Kopke als die Topbrands.

Abf?llstrategie
Die Firmenphilosophie der Marke Kopke ist, die Colheitas nach Bedarf der Gro?kunden abzuf?llen, was dazu f?hrt, dass sowohl ganz junge, mit einer Mindestreife von 7 Jahren, mittelalte und auch ganz alte Colheitas abgef?llt werden, aktuell ist der Jahrgang 1937 der ?lteste. Dies bedingt ein breites Portfolio von derzeit fast 30 verf?gbaren Jahrg?ngen, die innerhalb der letzten Jahre in die charakteristischen, st?mmig wirkenden breitschultrigen, wei?bemalten Flaschen. Diese Flaschen werden, nach meinen Recherchen, seit 1994 verwendet und sind ein wiedererkennbares Alleinstellungsmerkmal auf dem Markt.


Die Faszination eines guten Colheitas wird durch drei Komponenten gepr?gt. Zun?chst einen delikaten Gaumen, dessen Aromenspektrum von Rosinen, ?ber Marzipan zu getrockneten Pflaumen, Feigen, D?rrobst bis zu Karamell, Kaffee und Malz reichen kann. Weiterhin ist eine angemessene Portion S?ure erforderlich, die die S??e ausgleicht und diesen Ports frische verleiht und ein, im besten Falle, nicht endenwollender Abgang in dem sich die oben angegebene Nuancen erneut wiederspiegeln. Der Stil von Kopke ist gepr?gt von vollem, kr?ftigem K?rper, eher dominiert von Trockenfr?chten und einer erfrischenden S?ure und einem delikaten, harmonischen Abgang.

Verkostungsnotizen
Im M?rz 2012 fand in Frankfurt eine einmalige Rarit?tenprobe von Kopke Colheitas statt, bei der von jeder Dekade von den 30ern bis zu den 90ern des letzten Jahrhunderts mindestens ein Port verkostet wurde. Weitere Jahrg?nge habe ich im Fr?hjahr dieses Jahres bei meinen Besuchen auf der Essencia do Vinho und Pro Wein verkostet.
1935 (abgef?llt 1984): Ein herausragendes Jahr im Dourogebiet, von dem erstaunlicherweise recht wenig Colheitas existieren. Zeigte sich in einem sch?nen braunrot mit gr?nem Rand. In der Nase eine s??liche Note von eingelegter Pflaume und leichter S?ure. Am Gaumen merkte man ihm die lange Lagerung in der Flasche an, nicht so m?chtig, sondern eher von mittlerem K?rper, aber mit sehr guter Struktur, Trockenfr?chte, leicht malzig. Sch?ne S?ure die ihn nach wie vor frisch und ausbalanciert macht. Wurde mit Luft noch wesentlich besser, der Abgang war harmonisch und lang. 18
1938 (abgef?llt 1988): Spezialabf?llung zum 350 j?hrigen Firmenjubil?um in einer Flasche, die der Form der Portflaschen aus dem 18.Jahrhundert nachempfunden wurde. In der Farbe sehr ?hnlich dem 35er, etwas mehr Bernsteint?ne. Faszinierende Nase - eine Mischung aus Honig und eingelegten Pflaumen. Am Gaumen noch recht voller K?rper. Der Geschmack liegt irgendwo zwischen Waldhonig, Pflaumenkompott und Rosinen. Alkohol perfekt eingebunden. Dichter als 1935, im langen Abgang ebenfalls harmonische S?ure, die diese Port lebendig und zu einem Erlebnis macht. 18,5
1947 (abgef?llt 1990): Etwas helleres Braunrot als die beiden ?lteren. Die Nase war etwas verhaltener und von Trockenfr?chten und Karamell gepr?gt. Am Gaumen am wenigsten dicht und wuchtig, fast schon spielerisch leicht und elegant. Allerdings kein Gaumenschmeichler sondern von einer pr?gnanten S?ure gepr?gt, die sich etwas vor den Geschmack von Trockenfr?chten legt, dazu leicht rauchige Noten. Wirkt im mittellangen Abgang etwas rustikal, also leicht alkoholisch. 17,5
1952 (abgef?llt 2012): Sch?ne dunkle Bernsteinfarbe mit braunroten Reflexen. In der Nase leichte S?ure, Trockenfr?chte, dahinter Karamell und leichtes Malz. Am Gaumen zeigt sich ein Colheita von dichter Struktur, dessen Noten von Trockenfrucht eher im Hintergrund sind. Mittlere S??e, komplex und langanhaltend. Der Abgang ist lang, wirkt harmonisch und wird von einer erfrischenden, aber nicht aufdringlichen S?ure begleitet. Gerade erst abgef?llt, w?rdiges Beispiel eines alten Colheitas. 18,5
1957 (abgef?llt 2010): Ebenfalls Braunrot mit gr?nem Rand, kaum vom 38er und 35er in der Frankfurter Probe zu unterscheiden. Am Gaumen und in der Nase, dann aber deutliche Unterschiede, die aus der k?rzeren Lagerzeit in der Flasche resultierten. In der Nase kr?ftige Noten von Feigen, Rosinen und Karamell, die sich auch am Gaumen wiederspiegelten. Vollmundiger, kr?ftiger als die anderen beiden. Wirkte recht muskul?s und dadurch gar nicht so alt, aber gute Struktur und sch?ne S?ure, die die S??e gut ausglich. Der Abgang ist lang. Dies ist ein sehr guter alter Colheita, der aufgrund seiner Kraft von den Teilnehmern der "Frankfurter Probe" zum Tagessieger gek?rt wurde. 18,5
1966 (abgef?llt 2012): Alterstypische Farbe und angenehme Nase. Am Gaumen zun?chst recht pr?gnante S?ure, die von von gereiften Trockenfr?chten begleitet werden. Jugendliche Frische und Kraft sind kombiniert. Der Abgang ist lang und bietet neben den Aromen des Gaumens noch leicht malzige und rauchige T?ne. Im Moment eher m?chtig, denn elegant. 18
1967 (abgef?llt 1992): Diesem Port hat man die im Verh?ltnis zur Fasslagerung (25 Jahre) lange Flaschenreifung (20 Jahre) angemerkt. In der Farbe war es jedoch nur in Nuancen zu erkennen, an etwas mehr Braunt?nen. In der Nase leichter Stallgeruch, der jedoch mit mehr Zeit im Glas verflog. Am Gaumen eleganter als die "frischen" Exemplare, nicht mehr so vordergr?ndig s??e Trockenfruchtnoten, sondern mehr gereift und zur?ckhaltend. Wirkte jedoch eher eindimensional mit noch guter S?ure, die im ausreichenden Abgang jedoch hervorstechend war. Ich mag diesen Typus, aber ist sicherlich nicht jedermanns Sache. 17
1968 (abgef?llt 1994): In der Farbe etwas helleres Braun-Rot als der 67er. Am Gaumen sehr zur?ckhaltend, im Hintergrund war gereifte Aprikose und S?ure wahrnehmbar. Am Gaumen recht ?hnlich zu dem 67er. Leichter bis mittlerer K?rper, pr?sente S?ure, kaum fruchtig, mittels??, wenig komplex, aber sehr angenehm zu trinken. Der Abgang war eher kurz. Hat nicht unbedingt von der l?ngeren Flaschenreife profititert. 17
1974 (abgef?llt 2012): Sch?nes gealtertes Ziegelrot mit deutlichen braunen Reflexen, fast nicht vom 78er zu unterscheiden. Sehr sch?nes Bouquet welches von gereiften Feigen, Datteln und Rosinen getragen wird, dazu mediterrane W?rznoten. Im Mund vollmundig, fast ?lige Konsistenz. ?berraschend wenig S?ure, angenehme S??e, die Noten in der Nase best?tigen sich sch?n am Gaumen und vervielf?ltigen sich geradezu in einem langen Abgang. Der diesen Port nochmals zur vollen Geltung bringt. 18
1978 (abgef?llt 2005): Sch?nes gealtertes Ziegelrot mit deutlichen braunen Reflexen. Zur?ckhaltende Nase, am Gaumen sehr ?hnlich dem 74er jedoch nicht ganz so opulent. Sch?ne gereifte Trockenfruchtnoten und ein mittellanger Abgang. 17,5
1982 (abgef?llt 2012): Kr?ftiges Braunrot, in der Nase verf?hrerisch. Am Gaumen voller K?rper und deutliche S??e. Dieser Colheita strotzt noch vor Kraft. Ein angenehmes Verh?ltnis von fruchtige Noten und typischen gereiften Noten (Trockenfr?chte, Pflaumen). Im Abgang eine gute S?ure, die diesem Port Frische verleiht und meines Erachtens einen Tick interessanter als den 84er macht. 17,5
1984 (abgef?llt 2011): In der Farbe und am Gaumen kaum Unterschiede zum 1982er. Am Gaumen und im Abgang ist der 84er jedoch etwas S??er und wirkt ein nicht ganz so gut ausbalanciert. Trotzdem ein sehr ordentlicher Colheita, der allerdings von Komplexit?t und Tiefe den meisten 20y Tawnis nicht das Wasser reichen kann. 17
1995 (abgef?llt 2007): Ein so jung abgef?llter Colheita ist weder Fisch noch Fleisch. Insgesamt doch eher eindimensional mit noch deutlich fruchtigem Charakter. Nett zu trinken, mittlerer K?rper, deutliche S??e, leichte Malzt?ne. Zeigt noch nicht die Charakteristik, die meiner Meinung nach, die einen guten Colheita pr?gen sollte. Der Abgang ist recht kurz, in dieser Liga w?rde ich in der Regel den 10y Tawny des jeweiligen Herstellers vorziehen. Diese sind zwar meist ein paar Euro teurer, zeigen jedoch durch das Blending (bei dem auch ein Teil ?lterer Jahrg?nge verwendet werden) eine breitere Aromenstruktur. 16,5

Zusammenfassung Die Proben haben eindrucksvoll best?tigt, dass Kopke ?ber Jahrzehnte hinweg konstant auf sehr hohem Niveau Colheitas in einem gleichbleibenden Stil produziert hat. Die ?lteren Kopke Colheitas strotzen in ihrer Jugend vor Kraft, sind ?u?erst harmonisch und wirken durch die S?ure herrlich ausgeglichen und nicht pappig. Die Ports haben durchaus das Potential, in der Flasche ?ber weitere zwei bis drei Jahrzehnte zu reifen, was dazu f?hrt, dass sie eleganter und weniger vollmundig, jedoch nicht unbedingt komplexer werden. Die meisten Verkostungsteilnehmer pr?ferierten die "frisch" abgef?llten Flaschen. Was die Jahrg?nge anbetrifft, scheinen mir diese bei Colheitas weniger wichtig und weniger differierend als bei Vintage Ports zu sein. Auch aus mittelm??igen Jahren (zB 1938, 1952, 1957) entstanden hervorragende Colheitas, die den Hausstil eindrucksvoll best?tigten, aber Jahrgangscharakteristka und Jahrgangsunterschiede, sicherlich aufgrund des langen oxidativen Ausbaus, schwerlich erkennen lie?en. So gilt meines Erachtens, ?hnlich wie bei Madeira, "don?t choose it by vintage, choose it by producer".